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1. Herbert A. und Lotte Strauss-Lecture am 27. Januar 2026 mit Mark Roseman
Wann: 18 Uhr
Wo: H 3005, Hauptgebäude der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin
How Jewish Was the Holocaust? Ein Vortrag von Mark Roseman, renommierter Professor für Geschichte und Inhaber des Pat M. Glazer-Lehrstuhls für Jüdische Studien an der Indiana University in Bloomington.
War der Holocaust, wie David Vital es formulierte, „in gewisser entscheidender und ausschlaggebender Weise nicht nur ein Ereignis in der jüdischen Geschichte, sondern auch ein für diese Geschichte spezifisches Ereignis, das letztlich nur in ihrem Kontext verständlich ist”? Oder war er eher vergleichbar mit einem Meteoriten, der auf Vilnius fiel – mit enormen Auswirkungen auf das jüdische Volk, aber völlig fremd in seiner Natur? In jüngsten Debatten dreht sich alles um die Frage, ob der Holocaust bewusst hinter dem Etikett der Einzigartigkeit versteckt wird, um zu verhindern, dass Verbindungen und Parallelen zwischen kolonialer und anderer Gewalt und dem Holocaust untersucht werden. In diesen Debatten wurde selten auf einen wesentlichen Widerspruch hingewiesen, nämlich dass die Behauptung der Einzigartigkeit in der Regel mit der Vorstellung einhergeht, dass der Holocaust ein spezifisch jüdisches Schicksal darstellte – also eine Kontinuität in der jüdischen Erfahrung. Dieser Vortrag untersucht die Beziehung zwischen der Einzigartigkeit des Holocaust und seinem Jüdischsein, fragt, wie einzigartig der Holocaust in der jüngeren Geschichte menschlicher Gewalt war, und untersucht, welche Lehren wir daraus für unsere unruhigen Zeiten ziehen können.
Mark Roseman ist ein renommierter Professor für Geschichte und Inhaber des Pat M. Glazer-Lehrstuhls für Jüdische Studien an der Indiana University in Bloomington. Er ist Autor zahlreicher Bücher über den Holocaust und die deutsche Zeitgeschichte, darunter „Über Leben im Dritten Reich. Handlungsspielräume von Juden und ihren Helfern“ (Wallstein) und „Du bist nicht ganz verlassen.“ Eine Geschichte von Rettung und Widerstand im Nationalsozialismus (DVA). Zuletzt war er Herausgeber der kürzlich erschienenen vierbändigen Cambridge History of the Holocaust. Für sein Buch “In einem unbewachten Augenblick” erhielt er den Geschwister-Scholl Preis.
Das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) möchte mit der Herbert A. und Lotte-Strauss-Vorlesung jährlich am 27. Januar an die im Holocaust ermordeten Juden Europas erinnern. Herbert A. Strauss (geb. 1918 in Würzburg, gest. 2005 in New York) war von 1982 bis 1990 Gründungsdirektor des ZfA und wurde zum Ehrenmitglied der TU Berlin ernannt. Zusammen mit seiner späteren Frau Lotte (geb. 1913, née Schloß, gest. 2020) hatte er sich in Berlin 1942 der drohenden Deportation durch das Abtauchen in den Untergrund und die Flucht in die Schweiz entziehen können und war 1946 in die Vereinigten Staaten emigriert. Überlebt zu haben, war für Herbert und Lotte Strauss eine Verpflichtung, die sich in gesellschaftlich-politischen Engagement niederschlug. Zeit seines Lebens prägte Herbert A. Strauss zusammen mit seiner Frau Lotte (geb. 1913, née Schloß, gest. 2020) maßgeblich das Gebiet der Antisemitismus- und Holocaustforschung und verfasste dazu zahlreiche Schriften. Als Direktor des ZfA setzte er sich für den Austausch zwischen deutschen und internationalen Forschenden in den relevanten Feldern ein, den wir im Gedenken durch die Herbert A.und Lotte Strauss-Lecture fortsetzen wollen. Damit setzt das ZfA ein Zeichen gegen das Vergessen und macht einem breiten Publikum die Geschichte des Holocaust und des Antisemitismus zugänglich.


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